Wer seine Arbeitskraft (Kreativität, Freude am Tun, Wissensbasis) als Freelancer verkauft, vergißt zu oft, dass mit der Bezahlung der Rechnung noch nicht wirklich genauso viel Geld eingegangen ist, wie der Kontoauszug anzeigt. Er braucht ein paar Fixpunkte in seinem finanziellen Gebaren, die der Freelanceswitch perfekt zusammengestellt hat. So organisiert es sich leichter und der Überblick über die Kasse geht nicht mehr verloren:
- Versicherungen: Wer selbständig ist, braucht mehr als eine Privathaftpflicht. Je nach Lebenssituation ist natürlich die Krankenversicherung, eine Lebensversicherung und etwas, das bei Berufsunfähigkeit wirklich greift, angesagt. Ich möchte hier ergänzen, dass auch eine Vermögensschadenshaftpflicht oft zur Grundausstattung gehört. Berufsgruppen wie Übersetzer, die auch einmal mit rechtlich relevanten Texten zu tun haben, wissen das. Fragt also Euren Versicherungsvertreter (wenn er sich mit allen Themen wirklich auskennt. Sonst sucht Euch einen auf den Fall spezialisierten Fachmann).
- Steuern: Schon wenn die Rechnung bezahlt ist, solltet Ihr den geschätzten Betrag für anfallende Steuern schnell in einem Briefumschlag unter die Matratze schieben oder – ist vielleicht professioneller – auf ein zweites (zinsbringendes) Konto überweisen. Wichtig ist nur, dass Ihr die Steuer im Blick behaltet und nicht vergeßt, welcher Teil einer Zahlung wirklich Euch gehört.
- Ein Polster für Notfälle: Freelancer haben sehr unterschiedliche monatliche Einkünfte. Auch die Stars unter Euch sollten deshalb über ein finanzielles Notfall-Polster verfügen, das ein paar Monate der Grundbedürfnisse (ausgehend von den Fixkosten) abdeckt. Man schläft dann wirklich besser.
- Altersvorsorge: Auch wenn die Rentenversicherung nur magere Erträge bringt: Bei Freelancern ist da erst einmal in Hohlraum. Plant in Eurer Kalkulation etwas für das Alter ein – es kommt schneller, als Ihr denkt.
- Steuerberater: Wenn es das Einkommen irgend hergibt, sucht Euch einen Steuerberater. Hier geht es nicht um die Zeitersparnis, die beim Abliefern des berüchtigten Schuhkartons mit Belegen, aus dem eine saubere Steuererklärung wird, für Euch entsteht. Ein guter Steuerberater ist kreativ und hilft Euch, Eure finanzielle Strategie zu planen. Nebenbei sorgt er auch dafür, dass Punkt 2 rechtzeitig erledigt wird.
- Schulden: Freelancer waren einmal Gründer und haben deshalb oft Schulden. Schafft sie Euch so bald als möglich vom Hals – weniger Verwaltungsaufwand und mehr Geld für Erweiterungsprojekte sind der Lohn. Man schläft danach übrigens auch besser.
- Budgetplanung und Cashflow: Das ist für Fortgeschrittene. Sie sollten einen genauen Überblick über Einnahmen und geplante Ausgaben haben. Wer am 1.1. schon weiß, wo dieses Jahr sein Geld bleibt, erlebt weniger böse Überraschungen. Wenn das Budget für Werbung und Reisekosten klar ist, kann jede Ausgabe richtig eingeschätzt und ggf. vermieden werden.
- Portokasse: Ein Tipp aus dem Land des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Auch wenn die Kreditkarte noch nicht am Limit ist, sollte man immer ein kleines Barvermögen zur Hand haben. In unseren Breiten sind 100€ genug.
- Nie nur ein Pferd im Stall haben: Das betrifft die persönliche Businessplanung. Hier sollte man nicht nur auf den einen Großkunden bauen, der bisher die ganze Kapazität ausgefüllt hat: andere Kunden oder sogar eine weitere Leistung, die den Kundenkreis erweitern kann, sind schon jetzt nötig und nicht nur Zukunftsmusik.
- Auch Freelancer brauchen eine (Business)plan: Wer sein eigenen Erwartungen, sein Potenzial und den Markt im Blick behält und dann noch schriftlich (!!!) niederlegt, wie er sich seine berufliche (und damit verbunden auch die private Zukunft) vorstellt, hat schon einen großen Schritt gemacht. Ziele, persönliche Umweltbedingungen (Kind oder kein Kind? Haus bauen oder doch lieber nicht? Nach Australien oder lieber nach Mallorca auswandern?) und eigene Voraussetzungen (Know How, Kapital) beeinflussen die Ausrichtung, die selbst das kleinste 1-Mann-Unternehmen nimmt. Wer hier nicht alle Faktoren einberechnet, kann schnell scheitern. Wer sich beraten lassen möchte, findet über die IHKs und die KfW Fördermöglichkeiten.
