Archiv der Kategorie: Bloggen

Rund um den Blog

Was soll ich bloggen?

Vor einer Weile erschien im UPLOAD-Blog ein schöner Beitrag: Fünf Gründe, kein Unternehmensblog zu starten. Der Wichtigste erscheint hier garnicht. Was soll ich schreiben? Gelegentlich erfaßt uns der Selbstzweifel angesichts des leeren Formularfeldes in der Blogsoftware. Wir alle haben für unsere Kunden, unsere Zielgruppe Interessantes mitzuteilen! Zieht Euch den Schuh Eurer Leser an.

Themen für das Unternehmensblog gibt es wie Sand am Meer

  • Ihr kennt Eure Branche? Schreibt von Euren Erfahrungen, gebt Orientierungshilfen.
  • Informiert über wichtige Termine, Messen, Veranstaltungen für Eure Kunden.
  • Befragt Eure Leser, stoßt die Diskussion zu einem aktuellen Thema an.
  • Ja, über neue Produkte aus dem eigenen Haus dürft Ihr auch schreiben. Wenn nicht im eigenen Corporate Blog, wo dann?
  • Erzählt aus dem Nähkästchen. Ein Blick hinter die Kulissen schafft Vertrauen.
  • Ihr kennt Euer Fach? Werdet zum Guru auf einem Spezialgebiet.
  • Befragt Spezialisten und stellt die Interviews als Serie in Euer Blog.
  • Schfft Euch ein eigenes Format: Das Bild zum Tag, der Witz der Woche sind zwar nicht mehr neu, aber der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Egal, wofür Ihr Euch entscheidet: Bleibt authentisch, direkt und auf Eurer Linie. Ein Bauchladen-Blog ich-schreib-ueber-alles.de erreicht Eure Zielgruppe nicht.

Was, das Formularfeld ist schon voll? Na bitte, so leicht geht Bloggen!

Web 2.0 nervt

Schöne neue Online-Welt, auch wenn das sog. Web 2.0 nur das umsetzt, was zur Zeit schmalbrüstiger Modem-Verbindungen nicht machbar erschien. Wir überlegen, was noch alles mit Flash, AJAX und DHTML erstellt werden kann.

Aber sind die heutigen Web 2.0-Anwendungen nicht eine oft nutzlose und zeitfressende Angelegenheit? Blogs, das Urgestein der direkten Kommunikation mit dem Leser, sind oft genauso nützlich wie das Tagebuch eines Pubertierenden: Das macht zwar dem Schreiber Spaß und leitet sein Mitteilungs-, vielleicht auch Geltungsbedürfnis in einen stetigen Kanal. Wer hilft uns Lesern aber, die wirklich nützliche Information in der Masse zu finden?

Wer hat Lust und Zeit, seine Bookmarks online zu sammeln und zu pflegen. Im eigenen Browser geht das einfacher und eben auch offline. Was haben wir davon, diese Bookmarks anderen zur Verfügung zu stellen? Wenn ich einen Link gezielt weiterempfehle, weil mein Gegenüber ihn brauchen kann, erleichtere ich ihm die Arbeit. Wer wird schon irgendwelchen Schrott weiterempfehlen; eigentlich schickt man doch nur Links, die dem Empfänger gerade in einer bestimmten Situation nützen können. Mir ist so ein Link lieber, als wenn ich mich stundenlang durch Linkslisten eifriger Web 2-Nuller durcharbeiten muß. Eben handsortiert versus Masse.

Was sagt es über ein Bild oder ein Video aus, wenn es der Renner bei Youtube und Flickr ist? Oft kommen gerade dümmliche Werke der Gattung Pleiten, Pech und Pannen in die virtuellen Charts, statt das ein neuen Steven Spielberg entdeckt wird. Auf den ersten Blick könnte die geringe Einstiegshürde, die dem potentiellen Künstler den Zugang zur Öffentlichkeit leicht macht, jede Menge neuer Talente hervorzaubern. Digicam, Camcorder und kostenlose Software genügen, um sich auszudrücken. Ab mit dem Bild/Video in das entsprechende Portal.

Dann schlägt aber der Faktor Wisdom of the Crowd zu. Meist besprochen, meist angeklickt, meist weitergereicht wird eben nicht das vereinzelte künstlerisch wertvolle Produkt oder ein informatives Video, sondern alles, was dem einfachen Gemüt Spaß macht: Pleiten, Pech und Pannen. Dafür gibt es einen alten Spruch: Leute, esst mehr Sch***, 10 Milliarden Fliegen können nicht irren.

Web 2.0-Anwendungen bieten viel Potential, das leider in der Masse erstickt. Damit gehen Anwendungen, die eigentlich von der persönlichen Äußerung der Teilnehmer leben, den Weg der Suchmaschinen: Spam, Manipulation und die Unfähigkeit, mit der Menge der Beiträge sinnvoll umzugehen. Sie kranken mE daran, dass es für die Teilnehmer nur eine Einstiegshürde gibt: Technisches Verständnis. Wer mit dem Internet groß geworden ist, genügend Zeit und Mitteilungsbedürfnis hat, kann sich beteiligen. Qualitätskontrolle oder Evaluation gibt es nicht, denn 10 Milliarden Fliegen können ja nicht irren.

Was ist mit all denen, die nicht so vertraut mit dem Internet-Jargon sind, die vielleicht sinnvolle, qualifizierte Beiträge suchen oder kein Mitglied der Spaß-, sondern der Informationsgesellschaft sind? Hier müsste man das Web 2.0 neu erfinden oder ein paar Nachbardisziplinen bemühen:

  • Warum nicht kreative Köpfe, die sich im Internet-Denglisch nicht zurechtfinden, mit anwenderfreundlichen Hilfesystemen einbinden?
  • Oder ältere Teilnehmer mit barrierearmen, übersichtlichen Seiten entgegenkommen?
  • Oder sinnvolle Filter einsetzen, um das Material besser durchsuchbar zu machen? Wer auf Youtube einmal nach „Archaeology“ gesucht hat, weiß, dass hier nur haufenweise Schrott kommt, der mit dem Thema nichts zu tun hat.

Bis dahin versuchen wir, die Masse der unqualifizierten Information durch Feedreader übersichtlich aufzubereiten und hoffen, dass wir den entscheidenden Linktipp von den lieben Kollegen erhalten – oder vom guten, alten Google.

Corporate Blog der Werbefamilie

Der Blick über den sprachlichen Tellerrand lohnt sich manchmal wirklich. Bonduelle hat eine neue Form des Corporate Blog aufgelegt – für Italien. Hier laufen einige Werbespots für einen rohen Bonduelle-Gemüsecocktail, Testimonials sind die fünf Mitglieder einer – in dieser Anzahl nicht mehr ganz typisch italienischen – Familie. Für Leser mit Italienisch-Kenntnissen empfehle ich den ersten Spot 😉

Wer sich mit den Familienmitgliedern austauschen möchte, kann sie im Bonduelle-Blog erreichen und ihre Einträge kommentieren. Gemeinschaftsblog ist ja eine schöne Einrichtung, aber wer kommuniziert schon gerne mit einer virtuellen Familie? Nur, wer auch seinen Wunschzettel direkt an den Weinhnachtsmann schickt oder Fanbriefe schreibt.

(Tipp von [mini]marketing)