Finanzielle Sicherheit für den Freelancer

Wer seine Arbeitskraft (Kreativität, Freude am Tun, Wissensbasis) als Freelancer verkauft, vergißt zu oft, dass mit der Bezahlung der Rechnung noch nicht wirklich genauso viel Geld eingegangen ist, wie der Kontoauszug anzeigt. Er braucht ein paar Fixpunkte in seinem finanziellen Gebaren, die der Freelanceswitch perfekt zusammengestellt hat. So organisiert es sich leichter und der Überblick über die Kasse geht nicht mehr verloren:

  1. Versicherungen: Wer selbständig ist, braucht mehr als eine Privathaftpflicht. Je nach Lebenssituation ist natürlich die Krankenversicherung, eine Lebensversicherung und etwas, das bei Berufsunfähigkeit wirklich greift, angesagt. Ich möchte hier ergänzen, dass auch eine Vermögensschadenshaftpflicht oft zur Grundausstattung gehört. Berufsgruppen wie Übersetzer, die auch einmal mit rechtlich relevanten Texten zu tun haben, wissen das. Fragt also Euren Versicherungsvertreter (wenn er sich mit allen Themen wirklich auskennt. Sonst sucht Euch einen auf den Fall spezialisierten  Fachmann).
  2. Steuern: Schon wenn die Rechnung bezahlt ist, solltet Ihr den geschätzten Betrag für anfallende Steuern schnell in einem Briefumschlag unter die Matratze schieben oder – ist vielleicht professioneller – auf ein zweites (zinsbringendes) Konto überweisen. Wichtig ist nur, dass Ihr die Steuer im Blick behaltet und nicht vergeßt, welcher Teil einer Zahlung wirklich Euch gehört.
  3. Ein Polster für Notfälle: Freelancer haben sehr unterschiedliche monatliche Einkünfte. Auch die Stars unter Euch sollten deshalb über ein finanzielles Notfall-Polster verfügen, das ein paar Monate der Grundbedürfnisse (ausgehend von den Fixkosten) abdeckt. Man schläft dann wirklich besser.
  4. Altersvorsorge: Auch wenn die Rentenversicherung nur magere Erträge bringt: Bei Freelancern ist da erst einmal in Hohlraum. Plant in Eurer Kalkulation etwas für das Alter ein – es kommt schneller, als Ihr denkt.
  5. Steuerberater: Wenn es das Einkommen irgend hergibt, sucht Euch einen Steuerberater. Hier geht es nicht um die Zeitersparnis, die beim Abliefern des berüchtigten Schuhkartons mit Belegen, aus dem eine saubere Steuererklärung wird, für Euch entsteht. Ein guter Steuerberater ist kreativ und hilft Euch, Eure finanzielle Strategie zu planen. Nebenbei sorgt er auch dafür, dass Punkt 2 rechtzeitig erledigt wird.
  6. Schulden: Freelancer waren einmal Gründer und haben deshalb oft Schulden. Schafft sie Euch so bald als möglich vom Hals – weniger Verwaltungsaufwand und mehr Geld für Erweiterungsprojekte sind der Lohn. Man schläft danach übrigens auch besser.
  7. Budgetplanung und Cashflow: Das ist für Fortgeschrittene. Sie sollten einen genauen Überblick über Einnahmen und geplante Ausgaben haben. Wer am 1.1. schon weiß, wo dieses Jahr sein Geld bleibt, erlebt weniger böse Überraschungen. Wenn das Budget für Werbung und Reisekosten klar ist, kann jede Ausgabe richtig eingeschätzt und ggf. vermieden werden.
  8. Portokasse: Ein Tipp aus dem Land des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Auch wenn die Kreditkarte noch nicht am Limit ist, sollte man immer ein kleines Barvermögen zur Hand haben. In unseren Breiten sind 100€ genug.
  9. Nie nur ein Pferd im Stall haben: Das betrifft die persönliche Businessplanung. Hier sollte man nicht nur auf den einen Großkunden bauen, der bisher die ganze Kapazität ausgefüllt hat: andere  Kunden oder sogar eine weitere Leistung, die den Kundenkreis erweitern kann, sind schon jetzt nötig und nicht nur Zukunftsmusik.
  10. Auch Freelancer brauchen eine (Business)plan: Wer sein eigenen Erwartungen, sein Potenzial und den Markt im Blick behält und dann noch schriftlich (!!!) niederlegt, wie er sich seine berufliche (und damit verbunden auch die private Zukunft) vorstellt, hat schon einen großen Schritt gemacht. Ziele, persönliche Umweltbedingungen (Kind oder kein Kind? Haus bauen oder doch lieber nicht? Nach Australien oder lieber nach Mallorca auswandern?) und eigene Voraussetzungen (Know How, Kapital) beeinflussen die Ausrichtung, die selbst das kleinste 1-Mann-Unternehmen nimmt. Wer hier nicht alle Faktoren einberechnet, kann schnell scheitern. Wer sich beraten lassen möchte, findet über die IHKs und die KfW Fördermöglichkeiten.
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Über Susanna Künzl

Seit 12 Jahren berate ich Unternehmen auf ihrem Weg ins Internet. Ziel ist eine Website, die den Kunden wie ein aktiver Mitarbeiter unterstützt. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf den Content Management Systemen und ihrer Programmierung. Diese CMS sind meine Baustelle: TYPO3, Drupal, Wordpress und Joomla.

7 Gedanken zu „Finanzielle Sicherheit für den Freelancer

  1. Claudia Frey

    Schwierig wird’s ja, wenn das Geld „eigentlich“ zu knapp ist, um Rücklagen etc. zu bilden. Dann kommt es darauf an, einen kühlen Kopf zu behalten und trotz Stress nicht zu verdrängen, dass das Finanzamt irgendwann vor der Tür steht, man krank werden kann o.ä.

  2. Susanna Künzl Beitragsautor

    @Claudia Frey: Dafür ist es gut, wenn man richtig kalkuliert hat. Gerade wer aus dem Angestelltendasein in Richtung Selbständigkeit durchstartet, kommt garnicht darauf, dass er dann vergleichsweise astronomische Stundensätze nehmen muß: Bisher kam das Geld ja nach Abzug aller Nebenkosten aufs Konto. Hier helfen Kalkulationsvorlagen weiter (das ist auch insgesamt ein interessanter Artikel, der in die Problematik einführt). Und wenn man daneben ein Tagebuch führt, das die Tätigkeiten protokolliert (Angebot schreiben, Werbung machen, Verwaltung und natürlich die eigentliche Arbeit an Aufträgen), sieht man auch, welchen Anteil an der Arbeitszeit wirklich abrechenbare Stunden haben. Auch das ist ein Schritt zu realistischer Preiskalkulation. Mir ist bewußt, dass in einem Markt, der für manche Anbieter durch eine breite Konkurrenz von Studenten und anderen Menschen, die nicht direkt von den Stundensätzen leben müssen, bestimmt ist, realistische Preise, von denen man auch seine Krankenversicherung und Ausfalltage zahlen kann, schwer durchzusetzen sind.

  3. Diätprodukte

    Das Geld ist doch heut im Allgemeinen bei fast jedem zu viel zu knapp, also wird es auch immer schwerer werden. Wer kann denn heute schon groß Rücklagen ob nun fürs Alter, Finanzamt oder Reparaturen oder einfach nur als Sicherheit für den Fall der Fälle.

  4. Britta

    Ein wirklich interessanter Artikel und ehrlich gute Tipps. Mit den Rücklagen ist es zwar so, dass es nicht einfach ist, aber ich weiß ja zum Beispiel, mit welchen Steuern ich ungefähr rechnen muss. Lege ich die weg und habe einen eisernen Willen, dann rühre ich das Geld nicht an, um das Finanzamt zahlen zu können. Mach ich das nicht oder brauche das Geld unbedingt, dann ist irgendwas in meiner Kalkulation völlig daneben gegangen, das ist sicher in den ersten Monaten einer Gründung bei Jedem mal der Fall, aber man muss eben draus lernen und die wirklichen Preise durchsetzen.

    Sicher ist es nicht einfach, die realen Preise durchzusetzen, aber Qualität hat eben ihren Preis und das wissen auch viele Kunden und zahlen von daher lieber mehr, bekommen aber Qualität, als unzuverlässige Leute mit wenig Geld zu bezahlen.

  5. Manuel

    Was ich noch empfehlen würde:

    Laufende Kosten gering halten! (kein zu großes Büro / Firmenwage, Zeitschriftenabos…)

    Nichts ist unangenehmer als geringe Einnahmen die sofort von unnötigen laufenden Kosten wieder aufgefressen werden.

  6. Wowbagger

    Als Freelancer hat man es auf jeden Fall nicht einfach. Das schlimmste finde ich, dass man sich vorher viel zu viele Illusionen macht, wie schön es doch ist, sein eigener Chef zu sein und dass man sich seinen Tag selbst einteilen kann.
    Freelancer zu sein bedeutet verdammt hart zu arbeiten und fast keine Sicherheiten bzgl. des Einkommens zu haben. Besonders wichtig finde ich, dass man entsprechende Netzwerke zu Unternehmen aufbaut bei denen man sich Beschäftigung erhofft. Ansonsten finde ich deine 10 Punkte sehr treffend. Jeder sollte sie befolgen.

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