Long tail schlägt zu

Gestern im Radio (!!!) gehört: Die Welt besteht aus gefühlten Minderheiten, die sich dort informieren, wo man auf sie eingeht. Ethnic press statt Tageszeitung, viele kleine Medien für eng definierte Zielgruppen statt Informations-Mainstream. Wo aber liegen die Risiken und Nebenwirkungen der Informations-Zersplitterung?
Für Leser
Wer sich nur in Nischenveröffentlichungen informiert, riskiert natürlich, einseitig beschallt zu werden. Leser von Gewerkschaftsblättchen, Partei-Newslettern, Info-Broschüren der Pharma-Industrie beim Arzt und Frauen-Zeitschriften wissen, was ich meine. Die Versuchung, sich eine Meinung aus einer Quelle zu bilden, ist groß. Wer mich in meiner Gedankenwelt richtig anspricht, von dem übernehme ich vielleicht auch kritiklos Informationen, die nicht in seine Kernkompetenz fallen.

Medien, die sich mit wenig finanziellem Potential oder einem kleinen Mitarbeiterstab dennoch als umfassende Informationsquelle an ihre Zielgruppe wenden, werden verstärkt auf frei verfügbare Feeds großer Anbieter zurückgreifen, um ihre Publikation schnell mit Inhalten zu füllen. So kehrt der Mainstream auch in die Nischen zurück, bleibt aber unreflektiert. Müssen wir uns in Zukunft noch mehr mit einer Gesellschaft abfinden,

  • die heterogen ist und deshalb auf heterogene Nischenmedien zurückgreift
  • die diesen Medien rückhaltlos vertraut, weil sie sie an der richtigen Stelle abholen
  • deren Informationsquellen sehr einseitig sind
  • deren Medien sich – wegen ihrer geringen finanziellen Potenz – nicht mit der nötigen Qualifikation zu Themen äußern, die nicht ihre Kernkompetenz sind?

Für Werber
Für sie liegt eine hier hervorragende Chance, denn die neuen Online-Medien richten sich an definierte Interessengruppen. Wer hier Anzeigen schaltet oder PR macht, weiß, wen er anspricht. Blogger und die, die auf Blogs werben, kennen das Phänomen: Je spezialisierter das Medium ist, desto kleiner und besser kalkulierbar ist auch die Zielgruppe. Deshalb wird die Werbung auf Blogs, I-Zines und anderen Publikationen, die eine Nische bedienen, wohl auch in Deutschland noch zunehmen, wo Blogger immer noch ethische Diskussionen über bezahltes Bloggen führen.

Fazit: Leser aufgepaßt, vertraut dem publizierten Wort noch weniger als bisher. Werber aufgepaßt! Nutzt die neuen Nischen.

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Über Susanna Künzl

Seit 12 Jahren berate ich Unternehmen auf ihrem Weg ins Internet. Ziel ist eine Website, die den Kunden wie ein aktiver Mitarbeiter unterstützt. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf den Content Management Systemen und ihrer Programmierung. Diese CMS sind meine Baustelle: TYPO3, Drupal, Wordpress und Joomla.