ReviewMe im Praxistest

Die Meinungen zu bezahltem Blogging gehen auseinander: Was die einen für ein effektives Marketing-Tool halten, ist den anderen Suchmaschinenspam und Gesichtsverlust der gegen Kasse schreibenden Blogger. Aaron Wall, der Betreiber des Suchmaschinenoptimierungs-Blog SEO-Book, hat sich dem Test unter realen Bedingungen unterzogen. Und interessante Erfahrungen gemacht.

Wall vermarktete sein E-Book über Suchmaschinenoptimierung also jetzt über bezahlte Rezensionen.

  • Ein Blogger richtete in seiner Rezension einen Affiliate Link zum E-Book ein – das brachte sofort Bestellungen.
  • Andere gaben wertvolle Hinweise, wie das E-Book mit besserer Darstellung und weiteren Inhalten erfolgreicher sein könnte. Qualifizierte Kritik ist nicht mit Geld zu bezahlen.
  • Ein weiterer Blogger erzählte seine Erfolgsgeschichte durch Suchmaschinenoptimierung und gab den SEO-Book gute Noten. Genau das, was man brauchen kann: Ein glaubhafter Erfahrungsbericht.

Mein Fazit: Solange alle Beteiligten deutlich kommunizieren, wie die Rezension zustande gekommen ist, sehe ich kein Problem in bezahlten Blog-Einträgen. Wieso sollte die (bezahlte) Bewertung einer qualifizierten Person schlechter sein als ein aus dem Bauch heraus geschriebenes Urteil irgendeines Surfers mit zuviel Zeit, der sich in Bewertungs-Plattformen (umsonst) den Frust über den schlechten Kauf von irgendwas von der Seele schreibt? Wir in Deutschland sollten das nochmal überdenken.

4 Gedanken zu „ReviewMe im Praxistest

  1. Reinhard

    Ja, das dürfte vermutlich einen Glaubenskrieg unter den Bloggern auslösen. Willkommen in der freien Marktwirtschaft. Aber mal im ernst, was spricht wirklich gegen bezahlte Blog Einträge. Hat doch teilweise auch schon mit dem PR als Zahlungsmittel Einzug gehalten.

  2. Susanna Künzl Beitragsautor

    Solange die Bedingungen transparent sind, spricht nichts dagegen. ME ist es transparenter, eine Rezension gegen Kasse zu schreiben, die diese Bedingungen im ersten Absatz deutlich offen legt („Habe ***€ für diese Rezension bekommen.“ oder „Durfte den Laptop behalten.“), als seitenlange Werbung im Stil eines Presseartikels zu schalten, über der dann ganz verschämt und nur mit Lupe sichtbar „Anzeige“ steht.
    Blogger scheinen hierzulande aber noch Berührungsängste zu haben und Unternehmen fassen die Sache manchmal auch etwas ungeschickt an. Aber wir können ja alle noch dazulernen 😉

  3. Tim - Ehl&Ing Suchmaschinenmarketing

    Das Thema bezahltes Bloggen & mit bloggen Geld verdienen beschäftigt mich auch schon seit längerer Zeit. Ein klare offenlegung von Einnahmequellen sprich „ich schreibe hier eine bezahlte Rezension“ oder eine deutliche Markierung von Affiliate Links sind ein erster Ansatz, das Problem ist dabei jedoch, dass solche Einträge viel seltener verlinkt werden und wie bereits erwähnt der Blogger sogar sein Gesicht „verlieren“ kann. Und ohne Besucher gibt es dann erst recht kein Geld. Was mich an der Sache immer ein wenig wundert ist das die meisten Blogger mit Adsense keine Probleme haben, das hat sich einfach schon so weit eingeprägt, dass es akzeptiert wird. Wobei die Einnahmen durch standard Blogleser und Adsense auch gleich Null sind.

  4. Susanna Künzl Beitragsautor

    @Tim: Ja, die Akzeptanz eindeutiger Werbung per AdSense (auch wenn die wirklich oft kein nennenswertes Geld bringt, weil sie die Zielgruppe nicht erreicht) wundert mich auch: Warum ist das gut und bezahltes Bloggen schlecht?

    In der Welt, aus der ich komme, werden nur ausgewiesene Fachleute um eine Rezension gebeten. Das ist eine Ehre für sie und keiner würde auf den Gedanken kommen, dass sie mit dem ihnen übereigneten Rezensionsexemplar des Buches bestochen würden.

    Vielleicht liegt das Problem darin, dass sich viele Blogger als Gewissen der Nation fühlen. Sie decken so manche Schweinerei auf und schenken uns viele nützliche Informationen. Sie sind oft gute Fachleute auf ihrem Gebiet und haben trotzdem Angst, sich und ihre Unparteilichkeit zu gefährden, wenn sie sich einmal für ihre aufgewendete Zeit und ihr Wissen bezahlen lassen. Ich verstehe das, finde es aber im Sinne der kompetenten Blogger und der Unternehmen, die Marketing anders als dumpfbackige Werbeprospekte verstehen, schade.

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