Gute Texte – schlechte Texte

Gerold Braun hat mich eben mit seinem neuen Posting zum Thema Text auf ein immer drängenderes Problem gestoßen: Wie zielführend ist eine packende Überschrift (im Internet oder offline) tatsächlich?

Ich fühle mich immer zwiespältig, wenn ich so besonders reißerische (ziehende?) Überschriften lese. Manchen folge ich aus Prinzip nicht, weil ich mir – wie auch in diesem Fall – schon denken kann, worum es geht. Und weil ich nicht blind den Pfad der Assoziationen, die so eine Headline erweckt, gehen möchte. Der Überraschungseffekt prallt also am Leser ab, wenn er über ein Mindestmaß an Allgemeinbildung verfügt.
Auf der anderen Seite geht es zuerst um die Aufmerksamkeit des Lesers. Die ist so einem Titel sicher, wenn nicht – wie bei mancher Online-Zeitschrift – sich eine Headline plus gut aufgemachtem Teaser an die nächste anschließt und der Betrachter angesichts der Reizüberflutung aufgibt. Aber was, wenn dann ein Text voller Allgemeinplätze folgt, der den Verheißungen des Titels nicht gerecht werden kann? Genau das erleben wir immer wieder in professionell, aber ohne Blick auf die Zielgruppe und die erwünschte Aktion derselben getexteten Medien. Die Werbung macht es vor: Wer kennt nicht einen besonders unterhaltsamen Werbespot oder eine attraktive Anzeige, bei der ersich nur an den Inhalt, nicht aber an das werbende Unternehmen oder das beworbene Produkt erinnern kann? Und wenn nach dem 10. Sichtkontakt auch diese Unklarheit beseitigt ist, fragen wir uns oft, was der Film/die Anzeige denn verd***t noch einmal mit dem Produkt zu tun haben. Und kaufen es bestimmt nicht.

Angesichts des schon wegen der vielen aktiven Unternehmen in unserem kleinen Markt immer aggressiveren Texte und Bildsprache frage ich mich, ob nicht eine neue Verbindlichkeit angesagt wäre. Leider lassen sich Texte nicht genauer eingrenzen, wie wir es angesichts der Spamflut schon lange mit Suchmaschinen-Ergebnissen machen: Wenn der Spam überwiegt, geben wir einfach ein neues oder zusätzliches Suchwort ein und schränken die Ergebnisanzeige auf etwas ein, das unseren Intentionen genauer entspricht. Deshalb werden die Leser mit der Zeit neue Strategien entwicken müssen, um informative Texte schon an der Headline, spätestens am Teaser zu erkennen. Reißerische, werbliche Texte werden für informierte, kritische Leser ein Grund sein, nicht weiterzulesen und bestimmt auch nicht zu kaufen. Dürfen wir uns jetzt auf die eigentliche Bestimmung von Text zurückbesinnen: Informationen leserfreundlich und interessant, aber immer korrekt zu vermitteln?

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Über Susanna Künzl

Seit 12 Jahren berate ich Unternehmen auf ihrem Weg ins Internet. Ziel ist eine Website, die den Kunden wie ein aktiver Mitarbeiter unterstützt. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf den Content Management Systemen und ihrer Programmierung. Diese CMS sind meine Baustelle: TYPO3, Drupal, Wordpress und Joomla.

7 Gedanken zu „Gute Texte – schlechte Texte

  1. Gerold Braun

    Zitat: Der Überraschungseffekt prallt also am Leser ab, wenn er über ein Mindestmaß an Allgemeinbildung verfügt.

    Das stimmt nicht ganz, weil – ein bißchen Allgemeinbildung habe ich schon .. ;-)) Und dass „oben ohne“ ohne Perücke meint, darauf wär ich nicht gekommen. (Okay, dass es was „Dümmliches“ ist, was hinter „oben ohne“ steckt, war mir klar.)

  2. jens

    Ich denke auch hier ist ein gesunder Mittelweg das Richtige, wobei man sich leider fragen muss, ob die Masse der User informiert und kritisch ist.

  3. H. M.

    Ich finde eine Überschrift sollte gut gemacht sein. Sie sollte den Leser unbewust zum Klick bringen und Ihn in den Text ziehen.

  4. Copyhexe

    Der Unterschied zwischen Print-Headlines und Web-Headlines ist signifikant: Eine Printheadline darf irritieren, überraschen, Spannung zum Bild erzeugen. Ihr Auftrag ist Impact=Durchschlagskraft, maximale Aufmerksamkeit. Sie MUSS nicht genau sagen, um was es geht.

    Im Web ist Information Trumpf. Hier zählt die Überschrift i.d.R. per HTML als = wichtigste Aussage der Seite. Wer suchmaschinenoptimiert schreibt, kommt also nicht umhin, exakt die relevanten Suchbegriffe in die Headline zu schreiben. Da kann man natürlich immer noch gut und kreativ texten, aber der Zwang zur Wiederholung nimmt den Web-Headlines e bissi die Kraft.

    Klar lässt sich das auffangen und wer will, kann darauf pfeifen. Ich denke nur, wer als Texter medienadäquat schreiben will, sollte, muss aber nicht 😉

    Zauberhafte Grüße,

    die Copyhexe.
    Simone Laub

  5. Online Texter

    Da können wir uns der Vorrednerin nur anschließen – schließlich müssen Printprodukte nicht für Search Engines optimiert werden (ein Glück…)

  6. Andreas Herrmann

    Im Zeitalter von Google und Co. ist es gerade eine zwingende Notwendigkeit jeden Homepage Text für Suchmaschinen optimiert zu komponieren oder auch einfach nur zu texten. Denn SEO Text ist nun einmal SEO und hört sich ganz sicher niemals so schön an, wie zum Beispiel ein knackiger Flyer Text. … sofern man die erforderliche Keyword Dichte einhält.

  7. Volker

    Wenn mit Texten etwas bewirkt werden soll (Verkauf von Dienstleistungen und Produkten), stellen wir die Bedürfnisse (Wünsche, Traume, Ziele) der Leser in den Vordergrund.

    In Ableitung auf die Zielgruppe ist die Maslowsche Bedürfnispyramide das Grundgerüst für einen schlagkräftigen Text.

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