Suchmaschinen vs. Tagging und moderne Informationsbeschaffung

Ein interessanter Artikel von Martin Röll beschäftigt sich mit der Zukunft der Internetsuche und den Relevanzkriterien. Es stimmt schon, dass sie die Mechanismen zur Informationsgewinnung inzwischen radikal verändert haben RSS-Feed, Tagging, öffentliche Bookmark-Listen sind die Mittel der Wahl für den gewitzten Internetnutzer. Der geht in vielen Fällen garnicht über Google, um an sein Ziel zu kommen. Schlecht für die klassische Suchmaschinenoptimierung, sollte man meinen.

Schlecht wohl nur, wenn man hier die Black Hat-SEOs und ihre ertricksten Top-Positionen meint. Solche Seiten finden sicher nie Eingang in eine Bookmarkliste oder einen Blog-Beitrag. Das gilt aber auch für eine ganz normale B2B-Seite: Wenn man bei del.icio.us mal nach Webagentur sucht, kann man deutlich unterscheiden, dass hier die Masse der (zahlenmäßig zudem überschaubaren 24) Einträge nur einmal verlinkt sind. Man darf vermuten, dass die Besitzer sie hier untergebracht haben. Davon heben sich je ein stark verlinkter Eintrag auf eine Seite ab, die

Wer hier auf die Suche nach einer Webagentur geht, hat sicher keinen repräsentativen Querschnitt vor sich, wenn er überhaupt weiß, dass es del.icio.us gibt und wie Tagging funktioniert. Der durchschnittliche Businesskunde wird also noch eine ganze Weile auf Google angewiesen sein, wenn er einen Dienstleister in seiner Nähe sucht. Wer aber auf kostenfreie, hochwertige Inhalte aus ist oder den Spaßfaktor bewertet, kommt hier zum Zuge.

Wenn wir ein paar Jahre weiter denken, werden solche Dienste wahrscheinlich genauso aussehen wie unsere Suchmaschinen heute: Statt Relevanz und Inhalten Raum zu geben werden hier Links verhökert, denn dahinter stehen dieselben Menschen wie vorher. Kommentarspam in Blogs, Blogging gegen Kasse sind erst der Anfang, auf dem Weg, die Realität zu verzerren und neu zu gestalten. Alle Ansätze, im Internet Realität nachzubilden, werden dann aufgeweicht, wenn  damit Geld zu verdienen ist. Waren Linkpop und PageRank nicht auch einmal dazu gedacht, wertvollen Inhalten auf Platz 1 zu verhelfen?

Verteufeln wir also nicht die gute, klassische Suchmaschinenoptimierung, die eigentlich nur dazu dient, Inhalte (suchmaschinen)sichtbar zu machen und Inhalte an die richtige Zielgruppe zu bringen.

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Über Susanna Künzl

Seit 12 Jahren berate ich Unternehmen auf ihrem Weg ins Internet. Ziel ist eine Website, die den Kunden wie ein aktiver Mitarbeiter unterstützt. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf den Content Management Systemen und ihrer Programmierung. Diese CMS sind meine Baustelle: TYPO3, Drupal, Wordpress und Joomla.

3 Gedanken zu „Suchmaschinen vs. Tagging und moderne Informationsbeschaffung

  1. Philipp

    Das mit den ertricksten Top-Positionen sehe ich ein bißchen anders. Diese wollen Besucher zu bestimmten Topp-Suchbegriffen.. Damit sich der Aufwand auch lohnt, muß der Zielgruppe der richtige Inhalt geboten werden.
    Ich sehe es auch nicht als Spam an, denn wenn zum Beispiel auf PKV optimiert wird, dann tun dies nur die Anbieter von PKV.
    Wenn jetzt aber jemand nach PKV sucht und er findet Hommingberger Gepardenforelle oder Erotikangebote, dann hast Du recht.
    Doch dieser Traffic ist nicht zielgerichtet, also auch nicht wertvoll und somit lohnt es sich nicht, auf fremde Suchbegriffe hin zu optimieren.
    Eine große Gefahr geht jedoch von Blogs aus, denn diese sind super optimiert und da kann es schnell mal zu Verzerrungen in den Google-Suchergebnissen kommen.
    Nicht umsonst hat Google diese Blog-Analyse-Firma gekauft, um die Suchergebnisse wieder ins Lot zu bringen.

  2. Matthias

    Nun, ich denke das „taggen“ etc. ist nun wirklich keine Revolution.

    Zum einen: Hauptsächlich taggen Blogger. Wieviele Blogs gibt es in Vergleich zu „normalen“ Websites. Nehmt einmal ruhig die Zahlen der Hochburg USA, nicht das Blogger-Entwicklungsland Deutschland. Der Normal-User kennt nicht einmal den Begriff „taggen“. Wieviele User (echte User und ohne „Doppelmitgliedschaft“) taggen denn? Wie entwickelt sich der Trend taggen? Ich sehe das für die nächsten Jahre in der Nische, was die DIREKTE Nutzung durch den Enduser angeht. Dass die Suchdienste das taggen (höher bewertet) mit einfleißen lassen (durch spidern der GROSSEN Verzeichnisse) ist sicher. Aber da bin ich schon bei …

    Zum anderen: SEOs benutzen Social Bookmarking schon lange und zwar nicht so dilletantisch wie oben angeführt. Auch weisse SEO unterhalten inzwischen oftmals mehr als 100 eigene Weblogs (keine Splogs!) und haben entsprechende Möglichkeiten hier „taggend“ einzugreifen. Im Vergleich dazu ist es kein Aufwand, 20 oder 30 Accounts bei den relevaten Verzeichnissen zu unterhalten, um die Kunden sauber zu vertaggen (ohne dass es jemand auffällt).

    Mein persönliches Fazit: Bloggen, Taggen, Social Bookmarking … dadurch das es WENIGE aktiv nutzen und es bei einigen Suchmaschinen HOCH gewertet wird … lässt sich leichter Manipulieren als die traditionelle Suchmaschine über Backlinks. Tagge, Bloggen etc.lässt sich ganz toll automatisieren.

    Schönen Tag noch

    Matthias

    PS: Eigentlich wollte ich ja meinen China-Blog hier bespamen, aber dann haben mich die Fingerspitzen bei diesem Thema gejukt.

  3. Susanna Künzl Beitragsautor

    @Philipp: Spam ist alles, was andere Inhalte vorgaukelt als es tatsächlich liefert. Wer also auf PKV optimiert und nur ein hirnloses Verzeichnis seiner Kunden bewirbt, bietet nicht das,was er verspricht (btw.: Wer sucht heute schon nach einem Wort/Kürzel allein, hier siegen gewöhnlich Spam und Linkfarmen).

    Blogs sind wirklich super optimiert (wenn man sich die Mühe gibt, validen Code, natural links und die dafür notwendigen guten Inhalte zu produzieren). Da ist nichts Schlechtes dran, denn so sollte das Internet funktionieren 🙂
    @Matthias: Taggen ist wirklich keine Revolution, ich benutzte es z.B. in Datenbanken schon lange, um die Inhalte besser für die Suche aufzubereiten. Sonst entspricht Dein Eindruck auch dem Meinen: Hier läuft es so, wie es in den SuMas vor Jahren losging. Und es wird wie üblich eine Weile gut gehen, dann setzen sich dank besserer Algorithmen wieder die guten Inhalte durch.

    BTW: Spam fliegt hier sowieso raus, Kommentare sind dafür immer weider gern gesehen (lesen).

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